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Kühllager mieten in NRW: Temperaturzonen, Technik, Kosten

Kühllager sind teuer im Umbau und voller Technik. Wer weiß, welche Temperaturzone er wirklich braucht, findet schneller die passende Fläche.

Von Redaktion corealisVeröffentlicht am 30. Oktober 20268 Min. Lesezeit
Luftbild eines Logistikzentrums mit Lkw-Rampen und Hof, Symbolbild

Ein Kühllager in NRW zu mieten heißt zuerst, die Temperaturzone festzulegen: Tiefkühlware muss nach deutschem Recht durchgehend bei −18 °C oder kälter bleiben, gekühlte Lebensmittel tierischen Ursprungs je nach Produkt bei höchstens +2 bis +7 °C.12 Danach richten sich Dämmung, Kältetechnik, Torabdichtung und Stromanschluss. Weil diese Technik teuer ist und meist für einen bestimmten Nutzer gebaut wird, kommen solche Flächen nach unserer Einschätzung selten frei auf den Markt; Energie ist dabei ein großer Teil der Betriebskosten.

Die Zone ist die teuerste Einzelentscheidung. Angenommen, ein Händler mietet Tiefkühlfläche für sein ganzes Sortiment, obwohl drei Viertel der Ware im Bereich von +2 bis +8 °C liegen. Dann zahlt er für Dämmung und Energie, die er für den größten Teil seiner Paletten nicht braucht. Der folgende Überblick hilft, das zu vermeiden.

Welche Temperaturzonen ein Kühllager haben kann

Die Begriffe sind in der Branche nicht genormt, aber die Einteilung ist ziemlich einheitlich:

Zone Typischer Bereich Beispiele für Lagergut Rechtlicher oder fachlicher Anker
Tiefkühl etwa −18 °C bis −25 °C, teils kälter gefahren Tiefkühlkost, Speiseeis, gefrorenes Fleisch TLMV: −18 °C oder kälter an allen Punkten des Produkts1
Kühl etwa +2 °C bis +8 °C Molkereiprodukte, frisches Fleisch, Feinkost, viele Arzneimittel VO (EG) 853/2004: z. B. Hackfleisch +2 °C, Geflügel +4 °C, Fleisch von Huftieren +7 °C2
Frische mit Klimaführung etwa 0 °C bis +12 °C, teils mit Luftfeuchte Obst, Gemüse, Schnittblumen je nach Produkt, keine einheitliche Grenze
Temperiert etwa +15 °C bis +25 °C Süßwaren, Wein, Kosmetik, Arzneimittel mit Lagerung bei Raumtemperatur Herstellerangabe, bei Arzneimitteln Gute Vertriebspraxis

Tiefkühllager werden in der Praxis meist deutlich kälter als −18 °C betrieben, damit die Ware auch beim Ein- und Auslagern nicht über die Grenze kommt. Die Tiefkühlverordnung erlaubt nur beim Transport, in der örtlichen Verteilung und in Verkaufstruhen kurzzeitige Abweichungen von bis zu 3 °C.1

Für Fisch gibt es eine eigene Regel: Frische Fischereierzeugnisse sind annähernd bei der Temperatur von schmelzendem Eis zu halten.2 Und Arzneimittel richten sich nach den Lagerbedingungen auf der Packung, für Großhändler gelten zusätzlich die Leitlinien zur Guten Vertriebspraxis.

Was HACCP und Lebensmittelrecht vom Lager verlangen

Wer Lebensmittel lagert, ist Lebensmittelunternehmer und muss nach Artikel 5 der Verordnung (EG) Nr. 852/2004 ein Verfahren nach den HACCP-Grundsätzen einrichten und anwenden.3 Für ein Kühllager heißt das vor allem:

  • Kritische Kontrollpunkte festlegen: In der Regel die Temperatur bei Wareneingang, Lagerung und Warenausgang.
  • Grenzwerte und Überwachung: Temperaturen laufend aufzeichnen, Alarmgrenzen definieren, Messfühler regelmäßig prüfen.
  • Korrekturmaßnahmen: Was passiert, wenn ein Raum zu warm wird? Wer entscheidet über gesperrte Ware?
  • Dokumentation: Aufzeichnungen müssen der Lebensmittelüberwachung vorgelegt werden können.

Das HACCP-Konzept bleibt Pflicht des Lebensmittelunternehmers, also Ihre; die Halle muss es aber ermöglichen. Ein Kühlraum ohne Temperaturaufzeichnung, mit offenen Toren zum Hof oder ohne Reinigungskonzept für Boden und Wände macht Ihnen die Arbeit schwer. Je nach Tätigkeit kann außerdem eine Registrierung oder Zulassung bei der zuständigen Behörde nötig sein; klären Sie das vor dem Einzug.

Technik: worauf es im gemieteten Kühllager ankommt

Kühllager sehen von außen aus wie normale Hallen. Der Unterschied steckt in Details, die bei der Besichtigung leicht übersehen werden.

Bauteil Worauf Sie achten sollten
Dämmung und Paneele Dicke und Zustand der Kühlraumpaneele, Fugen, Beschädigungen durch Stapler
Boden Im Tiefkühllager Bodenheizung oder Belüftung unter der Bodenplatte gegen Frostaufbruch
Tore und Rampen Schnelllauftore, Torabdichtungen, Schleusen oder Vorkühlzonen, damit warme Luft draußen bleibt
Kälteanlage Kältemittel, Alter, Redundanz, Wartungsvertrag, Zuständigkeit für Störungen
Strom Anschlussleistung, Notstromkonzept, Alarmierung bei Ausfall
Regale Für Kälte geeignete Regale und Stapler mit Kühlhausausrüstung
Mess- und Alarmtechnik Fest installierte Fühler, Datenaufzeichnung, Alarm aufs Telefon

Beim Kältemittel lohnt ein genauer Blick. Viele große Anlagen arbeiten mit Ammoniak; ab 3 t Füllmenge braucht eine solche Kälteanlage eine Genehmigung im vereinfachten Verfahren nach der 4. BImSchV.4 Bei Anlagen mit fluorierten Kältemitteln sollten Sie fragen, welches Mittel eingesetzt wird und wie lange es noch nachgefüllt werden darf, denn die europäische F-Gase-Verordnung schränkt viele dieser Stoffe schrittweise ein.5

Die Frage, die keiner stellen will: Fragen Sie nach dem Wartungsvertrag der Kälteanlage und nach den Störungsprotokollen der letzten zwei Jahre. Klären Sie im Mietvertrag ausdrücklich, wer bei einem Ausfall am Wochenende verantwortlich ist und wer den Schaden an der Ware trägt. Diese Frage wird sonst erst gestellt, wenn sie teuer ist.

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Was ein Kühllager kostet: Energie ist der Treiber

Für Kühllager gibt es keine öffentlichen Marktmieten, die mit den Durchschnittsmieten für normale Lagerflächen vergleichbar wären. Wegen der Investition in Dämmung und Technik ist mit einer höheren Kaltmiete als bei einer vergleichbaren Trockenhalle zu rechnen; wie weit, hängt stark davon ab, wer die Kältetechnik stellt und wartet.

Der zweite große Block sind die Energiekosten. Nach Angaben des Verbands Deutscher Kühlhäuser und Kühllogistikunternehmen (VDKL) können sie bis zu 30 % der Betriebskosten eines Kühlhauses ausmachen.6 Wer einen Kühllagervertrag über zehn Jahre schließt, sollte deshalb wissen, wer das Strompreisrisiko trägt.

Daraus folgen drei Fragen für jede Besichtigung:

  • Wer kauft den Strom ein? Eigener Liefervertrag, Weiterberechnung durch den Vermieter oder Pauschale. Jede Variante verteilt das Preisrisiko anders.
  • Wie dicht ist die Hülle? Torabdichtungen, Schleusen und intakte Paneele sparen jeden Tag Geld.
  • Gibt es Photovoltaik auf dem Dach? Kühllager brauchen gerade im Sommer viel Strom, wenn auch die Sonne scheint.

Wie Sie Raumkosten auf die einzelne Palette herunterrechnen, zeigt der Artikel Lagerfläche mieten: Kosten je m² und je Palettenstellplatz. Für Kühllager kommen Energie und Technik als eigene Zeile hinzu.

Kühllager mieten oder Stellplätze beim Kühlhaus buchen?

Weil das Angebot an ganzen Kühlhallen knapp ist, lohnt der Vergleich mit Kühlhausbetreibern und temperaturgeführten Logistikdienstleistern, die Stellplätze und Handling verkaufen.

Kriterium Eigenes gemietetes Kühllager Stellplätze beim Kühlhausbetreiber
Menge planbar, über das ganze Jahr hoch schwankend oder saisonal
Investition Regale, Stapler, gegebenenfalls Technik kaum
Verantwortung für Temperatur bei Ihnen, gegenüber Behörde und Kunden vertraglich beim Dienstleister, Kontrolle bei Ihnen
Energiepreisrisiko bei Ihnen im Preis eingerechnet oder über Klauseln weitergegeben
Verfügbarkeit lange Suche, in der Regel Neubau oder Umbau kurzfristiger, wenn Kapazität frei ist

Die Abwägung ist dieselbe wie bei jedem Lager, nur mit höherem Einsatz, und folgt der Matrix aus Eigene Halle oder Kontraktlogistik?.

Unter etwa 1.000 Paletten im Kühlbereich würden wir zuerst bei Kühlhausbetreibern anfragen. Eine eigene Kühlhalle bindet Sie an Technik, Energievertrag und Mietlaufzeit, und diese Bindung rechnet sich erst bei großen, gleichmäßigen Mengen.

Kühllager in NRW finden: so gehen Sie vor

Kühlflächen werden selten frei, und wenn, dann nicht unbedingt mit öffentlichem Inserat. Bereiten Sie die Suche deshalb gründlicher vor als bei einer normalen Halle:

  1. Temperaturbedarf aufteilen

    Wie viele Stellplätze brauchen Sie je Zone, heute und in drei Jahren? Oft reicht ein kleiner Tiefkühlbereich neben einer größeren Kühlzone.

  2. Umschlag beschreiben

    Paletten pro Tag, Zahl der Lkw, Zeitfenster. Davon hängen Zahl der Tore und Größe der Vorkühlzone ab.

  3. Technik und Zuständigkeiten klären

    Wer stellt Kälteanlage, Regale und Messtechnik, wer wartet, wer haftet bei Ausfall?

  4. Alternativen offenhalten

    Eine Trockenhalle mit Option auf Einbau von Kühlzellen kann schneller verfügbar sein. Rechnen Sie Umbau und Rückbau ehrlich mit.

Wer Kühlzellen in eine bestehende Halle einbauen will, braucht vor allem Bodenlast, Höhe und Strom. Welche Regaltechnik in der Kälte sinnvoll ist, beschreibt der Artikel Hochregal, Fachboden oder Blocklager.

Was kostet ein Kühllager zur Miete?

Öffentliche Durchschnittsmieten für Kühllager gibt es nicht. Wegen Dämmung und Technik ist mit einer höheren Kaltmiete als bei normalen Lagerhallen zu rechnen, und die Energie kann nach Angaben des Branchenverbands VDKL bis zu 30 % der Betriebskosten ausmachen. Vergleichen Sie Angebote deshalb immer mit Energie und Wartung.

Welche Temperatur hat ein Tiefkühllager?

Tiefkühlware muss nach der Verordnung über tiefgefrorene Lebensmittel durchgehend bei −18 °C oder kälter bleiben. Lagerräume werden deshalb in der Praxis meist auf etwa −20 °C bis −25 °C oder kälter gefahren.

Welche Temperatur hat ein Kühllager?

Ein Kühllager für Lebensmittel liegt meist im Bereich von etwa +2 bis +8 °C. Für Lebensmittel tierischen Ursprungs schreibt die Verordnung (EG) Nr. 853/2004 Höchstwerte vor, etwa +2 °C für Hackfleisch, +4 °C für Geflügel und +7 °C für Fleisch von Huftieren.

Brauche ich ein HACCP-Konzept für ein gemietetes Kühllager?

Ja, wenn Sie dort Lebensmittel lagern; zuständig ist der Lebensmittelunternehmer, nicht der Vermieter. Die Halle sollte Temperaturaufzeichnung, Reinigung und Alarmierung ermöglichen.

Quellen

  1. Verordnung über tiefgefrorene Lebensmittel (TLMV), § 2, https://www.gesetze-im-internet.de/tlmv/__2.html
  2. Regierungspräsidium Darmstadt, Task Force Lebensmittelsicherheit: Temperaturanforderungen an die Beförderung und Lagerung von kühlpflichtigen Lebensmitteln tierischen Ursprungs, Kurzfassung (Stand 2022), https://rp-darmstadt.hessen.de/sites/rp-darmstadt.hessen.de/files/2022-03/Temperaturanforderungen%20kurz.pdf
  3. Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene, Artikel 5, https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32004R0852
    1. BImSchV, Anhang 1 Nr. 10.25 Kälteanlagen mit Ammoniak, https://www.gesetze-im-internet.de/bimschv_4_2013/anhang_1.html
  4. Verordnung (EU) 2024/573 über fluorierte Treibhausgase, https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32024R0573
  5. Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen: Best Practice VDKL, Der klimaneutrale VDKL-Strompool (März 2020), https://energie.bga.de/sites/default/files/2020-03/best_practice_vdkl_final.pdf

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